Lebensversicherung rechnet sich kaum

Finanztest-Chef Hermann-Josef Tenhagen rät zu Verträgen mit staatlicher
Förderung

 BERLIN. Potenzielle Neukunden von Lebensversicherern zögern derzeit, diesen
Schritt zu Altersicherung zu gehen. Zu gering scheint der Ertrag, den
Lebensversicherungen noch versprechen. Unser Berliner Korrespondent Andreas
Herholz, sprach mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift
Finanztest, über Wege zur Altersvorsorge.

 Frage: Der Garantiezins für Lebensversicherungen soll von 1,75 Prozent auf 1,25
Prozent gesenkt werden. Ist der Abschluss einer Lebensversicherung überhaupt
noch attraktiv?

 Antwort: Neuverträge bei Lebensversicherungen sind mit 1,75 Prozent Garantiezins
schon jetzt nicht mehr attraktiv. Die Anbieter von Lebensversicherungen haben
schon in den letzten Jahren immer größere Schwierigkeiten bekommen.. Eine weitere
Senkung auf 1,25 Prozent würde sie noch unattraktiver machen. Das eigentliche
Problem sind allerdings die hohen Kosten der Lebensversicherung. Wenn sie heute
eine Rentenversicherung ohne staatliche Förderung abschließen, brauchen sie gut
und gerne 15 Jahre, damit überhaupt der Erhalt ihrer Beiträge ohne einen Cent
Rendite sicher ist.

 Frage: Zahlen jetzt diejenigen die Zeche für die Euro-Krise, die eine der
Hauptursachen für die Niedrigzinsen ist, die private Altersvorsorge betreiben?

 Antwort: Das muss man abwarten. Diejenigen, die private Altersvorsorge betreiben
wollen oder müssen, haben ja jetzt eine Perspektive von zwanzig oder dreißig
Jahren. Und beim Abschluss von geförderten Verträgen stellt sich die Lage nicht
so dramatisch dar.

 Frage: Was sollte jetzt bei der privaten Altersvorsorge beachtet werden?

 Antwort: Es gibt eine einfache Regel: Keine neuen Verträge mehr ohne staatliche
Förderung abschließen und sich nur die guten auswählen. Die Unterschiede
zwischen einer guten und einer schlechten Versicherung können gewaltig sein. Das
entspricht dann schon mal dem Preis von einem Kleinwagen. Alte Verträge sollten
nicht gekündigt werden, denn sie bieten deutlich höhere Garantien. Wer noch in
den späten neunziger Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, dem sind
vier Prozent auf sein Sparvolumen garantiert worden.

 Frage: Wie sollte die Branche jetzt auf diese Entwicklung reagieren?

 Antwort: Die Versicherer müssen die Kosten senken und außerdem die Überschüsse
möglichst komplett an die Kunden weitergeben. Sonst werden diese
Versicherungsmodelle nicht mehr attraktiv für die Kunden.

Copyright 10.01.2014 RuhrNachrichten

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